Die Kunst des Alleine sein // von der ersten eigenen Wohnung

Ich glaube es war eine meiner größten Ängste im Leben alleine zu sein. Nicht einsam, verstehe mich nicht falsch. Ich spreche vom alleine sein. Alleine zu sein, nicht in Beziehung zu sein, alleine abends ins Bett zu gehen, morgens alleine aufzuwachen. Alleine zu Leben. Noch nie in meinem Leben war ich in der Situation, dass ich nicht in Beziehung mit jemandem stand. Dabei meine ich nicht nur die Partnerschaften, sondern auch enge Freundschaften oder Mitbewohner. Die Vorstellung, dass ich etwas tue, von dem niemand weiß wo ich bin, war für mich gruselig. "Wenn ich jetzt ins Kino gehe, dann weiß einfach niemand, wo ich gerade bin" waren so Gedanken, die mir Anfangs kamen. Irgendwer wusste ja sonst immer bescheid. Ob ich nun meinem Partner, oder meiner Mitbewohnerin die Info gab, dass ich aktuell unterwegs bin ist ja egal. Es wusste einfach immer jemand bescheid.


Und dann war das plötzlich anders. Ich lebe ich alleine. Das erste mal in meinem Leben. Es war eine meiner größten Ängste, schier gar nicht vorstellbar für mich. Die Kunst des alleine seins kannte ich von vielen Reisen. Alleine in Hotelzimmern schlafen, stundenlange einsame Autofahren, das waren alles keine Fremdwörter und ich genoss es sehr. Doch jetzt ist das schon was anderes, wenn wirklich manchmal niemand weiß wie dein Tag so verläuft oder was alles so vorfällt.


Da wo unsere Angst liegt, liegt auch unser größtes Entwicklungpotential. Und darum wusste ich: das wird mein Weg sein, also rein da!


Wie schafft man es nun, gut mit sich alleine zu sein? Und wie fühlt es sich wirklich an? Ich glaube das Geheimnis liegt wie so oft im "nicht bewerten". Es wird schlechte Tage geben. Es wird Momente geben, in denen dir die Nähe eines anderen Menschen so sehr fehlt, dass es dich innerlich fast zerreisst. Du wirst Sehnsucht spüren, du wirst den Wunsch nach Gesellschaft haben. Und das ist auch nur ein Teil des Ganzen. Es wird Momente geben in denen bist du glücklich und leicht, zufrieden und angekommen. Da wirst du dich frei fühlen und deine Ruhe lieben. Und auch das ist nur eine Seite des Ganzen.

Wichtig ist, beide Seiten nicht als endgültig zu sehen. Sie sind nur ein Teil des Pendels. Es wird immer wieder Momente geben, in denen man auf der einen Seite mehr verharrt. Tage, an denen man mit dem Alleine sein weniger gut klar kommt. Doch es wird sich immer wieder verändern. Da ist kein Stillstand. Nicht dann, wenn du es nicht zulässt.


Und dann gibt es diese Momente, in denen sich einfach beides vermischt. Da sitzt du mit frischgekochtem Essen da, hast dir eine Flasche Wein aufgemacht, hörst deine Lieblingsmusik und kannst dieses Freiheitsgefühl gar nicht in Worte fassen. Du tanzt durch die Küche und liebst es alleine zu sein. Und plötzlich sehnst du dich in der Fülle deines Glücks danach, zu hören wie sich der Schlüssel in der Tür umdreht und jemand nach Hause kommt. Es wird Augenblicke geben in denen du dir nichts mehr wünschst als Gesellschaft zu haben, Freunde die da sind, Arme in denen du Nachts Halt findest. Und ein paar Minuten später genießt du genau diese Ruhe, weil du merkst wie gut dir das Alleine sein auch eigentlich tut.


Das Leben darf in Bewegung sein, es darf sich verändern. Und die Veränderung darf langsam passieren. Das für mich größte Geheimnis des Alleine seins ist, sich selbst nicht zu bewerten. Die Situation nicht zu bewerten, sondern alles anzunehmen wie es kommt.


Wie eigen wird man wirklich, wenn man dann alleine wohnt?

Ich sags dir, ich habe wirkliche Macken entwickelt! Was mir jetzt in meiner Wohnung am wichtigsten ist? Klarheit und Sauberkeit! Alles muss ganz hell sein! Ich brauche weiße Wände und saubere Oberflächen. In der Küche wandert der Wasserkocher nach Benutzung wieder in den Schrank, die Heissluftfriteuse kommt nur dann raus, wenn ich sie auch wirklich brauche, saubere Arbeitsflächen, keine Schalen mit Krusch. Ein weißer, heller Raum zum Arbeiten. Keine Wandfarbe, saubere Tischflächen. Bei mir in der Wohnung gibt es nur von einer Sache zu viel: von Pflanzen! Weiß, grün und Holz, das sind die Farben die mich umgeben. Schwarze und goldene Akzente. Es muss natürlich sein. Ich liebe es, wenn mich erdige Töne umgeben. Die nächsten Macken habe ich im Schlafzimmer - alles muss weiß und hell sein! Keine farbigen Klamotten, keine unnötigen Möbel. Im Schlafzimmer wird nur geschlafen, da ist kein Platz für mehr!


Immer wieder rumräumen, ausmisten, umstellen und Hausarbeit gehören für mich dazu. Ich mag es, wenn es ordentlich ist und darum ist das auch keine Arbeit für mich. Die Zeit in der ich den Raum um mich noch schöner gestalte, in der ich meine kleine Oase putze sollte sich nie nach Arbeit anfühlen.


Wie ist man gut mit sich alleine? Ich glaube am schönsten ist es, wenn man sich den Raum um sich selbst gut gestaltet. Ich hänge mir super viele Bilder an die Wand, aus den schönsten Momenten meines Lebens. Die Erinnerungen daran erfüllen mich. Bücher die mir viel bedeuten, liegen gut sichtbar im Regal. Kerzen mit meinem Lieblingsgeruch brennen jeden Abend. Ich mag es wenn Musik läuft, wenn Räucherstäbchen brennen. Ich mag es, wenn es sich gut anfühlt. Niemals würde ich eine Kerze nicht anzünden, weil sie sonst ja bald leer ist. Die Kunst im schönen leben, liegt darin, es sich auch schön zu machen. Und sich das auch selbst wert zu sein!


Beobachte dich doch mal im Alltag. Wie schön machst du es dir um dich rum wirklich? Wie viel Zeit verbringst du damit es dir schön zu machen? Wie viel wert hat gutes Essen bei dir? Wie wichtig ist es dir, es leicht und aufgeräumt um dich rum zu haben? Beobachten, wahrnehmen, verändern. Ganz in deinem Tempo!